Jugendorchester Euskirchen e.V. als Träger der Musikschule Euskirchen
-eine Idee wurde zur Institution-
1. Die Idee
Die Fähigkeiten zu musischem Empfinden und musischem Gestalten gehören zu den fundamentalen Eigenschaften menschlicher Persönlichkeit. Die Erfahrungen von Rhythmik und Melodie gestalten unsere Gedanken, Gefühle, Erinnerungen, Träume und Vorstellungen. So ist über den Hörsinn unsere innere Welt mit der äußeren verbunden. In der Kindheit und Jugend wird mit der musischen Aktivierung des Bewusstseins eine wesentliche Voraussetzung für die Bildung der menschlichen Persönlichkeit gelegt.
Nicht jeder wird sich wie Wolfgang Amadeus Mozart entwickeln. Dessen ausgeprägte musikalische Neigung wurde von seinem Vater schon in frühester Kindheit richtig erkannt und gefördert. Er entwickelte sich zu einem der wundervollsten Musiker aller Zeiten. Musische Förderung ist jedoch nicht nur für Hochbegabte wichtig, sondern für jeden Jugendlichen notwendig, der später sein Leben in Gemeinschaft gestalten und seinen Platz in den vielfältigen Dimensionen der gegenwärtigen kulturellen Wirklichkeit finden soll. Die Identität unseres Vereins ist vor allem mit der Idee verbunden, Jugendliche im musischen Bereich zu unterweisen. Es geht um Kultur-, Persönlichkeits- und Gemeinschaftsförderung, aber auch um die Erhaltung und Verbreitung des Kulturgutes Musik, das durch Generationen entwickelt und überliefert wurde.
2. Die Vorgeschichte
Im Jahr 1949, nur kurz nach der unseligen Zeit des Nationalsozialismus, in der die Musik in das politische Programm der Nationalsozialisten eingebunden war, unterrichtete der damalige Lehrer und spätere Realschuldirektor Heinz Arnolds mehrere Blockflötenkurse im Auftrag des damaligen Kreisjugendpflegers Paul Roth in der Pfarre Herz-Jesu. Hieraus entstand die Blockflötengilde der Pfarre Herz-Jesu, der sich 1952 mehrere Streicher hinzugesellten. 1953 wurde dann der Name „Jugendorchester Euskirchen“ für die Musiziergemeinschaft gewählt. Schon damals ergab sich die selbstgewählte Aufgabe, die Werte des Haus- und Gemeinschaftsmusizierens an Kinder und Jugendliche heranzubringen. Von Beginn an gestalteten und umrahmten die Musiziergemeinschaften viele öffentliche Veranstaltungen und Feste, stets betreut von ihrem engagierten Vorsitzenden Heinz Arnolds. 1960 übergab Arnolds die Vorstandsleitung der inzwischen auf 120 Mitglieder angewachsenen Musiziergemeinschaft an Heribert Ülpenich, der im selben Jahr das Jugendorchester ins Vereinsregister eintragen ließ. In den folgenden 10 Jahren erlebte die vom „Jugendorchester Euskirchen e.V.“ betriebene „private“ Musikschule einen stetigen Aufstieg, was nicht zuletzt der unermüdlichen Arbeit der Schulleiterin Ilse Lott zu verdanken war. Heribert Ülpenich, Kurt Scholz, Peter Ryjntjes und Hans Krischer standen in dieser Zeit dem Verein vor. Dann stieß die private Initiative an eine Grenze. 1970 war das Jugendorchester mit ca. 300 Schülern, die von 13 Musiklehrern unterrichtet wurden, in die Größenordnung einer kleinen Musikschule hineingewachsen, ohne es formell zu sein. Der Vorstand mit dem Vorsitzenden Hans Krischer bemühte sich darum, der privaten Institution den offiziellen Status einer Jugendmusikschule zu geben und der Stadt Euskirchen die Trägerschaft der Schule zu übertragen oder sie an der Trägerschaft zu beteiligen.
3. Der Beginn
Statt in Trägerschaft zu gehen, beschloss der Städtische Kulturausschuss eine stärkere Beteiligung der Stadt am „Jugendorchester Euskirchen e.V.“. Offensichtlich wollte man auf die Erfahrungen dieser am Ort entstandenen Institution nicht verzichten und auch weiterhin den Sachverstand und die Privatinitiative ehrenamtlich tätiger und musisch interessierter Mitbürger nutzen. So änderte sich in der Jahreshauptversammlung am 17.3.1971 die Organisationsstruktur des Vereins. Als neuer Vereinszweck ergibt sich die Trägerschaft der Musikschule für die Stadt Euskirchen. Die Stadt beteiligt sich an der Vereinsführung, indem sie den Schatzmeister und weitere Beisitzer (einen Vertreter des Stadtdirektors und je einen Vertreter der im Stadtrat vertretenen Parteien) zum Vorstand entsendet. Der Trägerverein erhält seitdem einen Kostenzuschuss und unterliegt der Überwachung des Rechnungsprüfungsamtes.
4. Der Weg
Bis Herbst 1971 leitete Hans Krischer den Verein. Ihm folgte erneut Heribert Ülpenich, dem 1984 wegen seiner großen Verdienste die Ehrenmitgliedschaft übertragen wurde. Von 1984 bis 1989 leitete Dieter Haack den Verein, dem Otto Werner bis 1994 folgte. Seit dem 8.12.1994 steht Dieter Schumacher dem Trägerverein der sich stetig weiter entwickelnden Musikschule vor. Mit viel ehrenamtlichem Engagement sind seitdem die Rahmenbedingungen für die Musikschularbeit verbessert worden. Die Musikschule Euskirchen hat sich auf die sich verändernden Anforderungen der Zukunft eingestellt.
1980 bezog die Musikschule ihr heutiges Domizil, das ehemalige Waisenhaus an der Kommernerstraße. Hier bietet sie seitdem, zentral und gut erreichbar, der Bevölkerung ein breites und qualitativ hochwertiges Angebot, das rege in Anspruch genommen wird. 30 Unterrichtsräume werden heute von 60 Lehrern und etwa 1200 Schülern intensiv genutzt. Seit Sommer 2006 sorgt die Schulleiterin Birgit Walter mit Ideen, Enthusiasmus und Tatkraft für neuen Schwung im Schulbetrieb.
5. Die Perspektive
Wir sind stolz auf das bisher mit viel Engagement Erreichte. Es ist uns gelungen, musische Bildung für jedermann erreichbar zu machen. Nun ist es wichtig, das in Jahrzehnten Erreichte zu sichern. Die gesellschaftlichen Anforderungen an die Musikschulen und die finanziellen Bedingungen sind einem Wandel unterworfen. Bei der Erziehung unserer Jugend sollte es immer wichtiger sein, solide wertbezogene Grundlagen zu legen als auf Dauer immer teurer werdende „Reparaturmaßnahmen“ zu finanzieren. Bei zunehmender Orientierungslosigkeit, Vereinzelung und Gewaltbereitschaft ist unser Wert sicherlich anerkannt.
Wir danken allen Mitbürgern, die in der Vergangenheit mitwirkten, und unseren Mitarbeitern für die unermüdliche Arbeit sowie den Verantwortlichen der Stadt für die Hilfe, mit der sie die musische Bildung in Euskirchen ermöglichen. Öffentliche und private Initiativen sind eine fruchtbare Symbiose eingegangen. 36 Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Stadt Euskirchen sind es wert, anerkannt zu sein.
Wir hoffen, dass die „nächste“ Generation weiterhin die Früchte unserer Arbeit genießen, und der Verein „Jugendorchester Euskirchen e.V.“ für unsere Jugend weiterhin erfolgreich wirken kann. Jeder, der sich für die musische Bildung der Jugend in Euskirchen einsetzen möchte, ist von Herzen eingeladen, Mitglied im Trägerverein der Musikschule zu werden.
Der Vorstand des Jugendorchester Euskirchen e.V.
als Träger der Musikschule Euskirchen